Christiane Görner

Workshops / Seminare

Sprachgestaltung: Sprache Aufmerksamkeit Schenken

An vier Wochenenden eintauchen in die Sprachgestaltung: Neues wagen, Wortwelt erfahren, freudvoll Scheitern und sich im Gespräch mit der großen Lehrmeisterin - der Sprache - selbst immer näher kommen. Die Wochenenden sind aufgebaut in der Reihenfolge des kindlichen Spracherwerbs:
Laut - Silbe - Wort - Satz /Textur

Trotzdem steht jedes Wochenende immer für sich in der Erarbeitung der „Drei K´s“ : Konzentration - Kontakt - Körpersprache. Ohne Eindruck kein Ausdruck. Ob eine sprachliche Präsentation „ankommt“ hängt davon ab, ob und wie „gesendet“ wurde.

Dieses Empfangen und Senden wird an allen vier Wochenenden geübt; im Erzählen (Rezitieren), Vortragen (Deklamieren), Improvisieren und schließlich im Vagabundieren und Poetisieren.

Jedes Wochenende kann einzeln gebucht werden.

Die TeilnehmerInnenzahl ist immer auf sieben beschränkt.

Zeitschiene der Wochenenden (Pausen inklusive):
Freitag 19:00 - 21 Uhr
Samstag 9:30 - 12:30 und 15 - 17:30 Uhr
Sonntag 10 - 14 Uhr

Kosten: 220,- ermäßigt 180,- Euro
Vier Workshops im Paket: 680,- Euro (Rückerstattung möglich abzüglich Service Gebühr je Workshop 50,- Euro)
Ort: Berlin Mitte

Anmeldung oder Fragen gerne per mail an: info@christianegoerner.de
Oder telefonisch: 0176 / 57 41 90 63


3.- 5. September 2021
Wochenende 1 - „Die Laute sind die Lehrmeister“
(Rudolf Steiner)
Der Atemstrom trifft auf den Widerstand der Sprachwerkzeuge. Das erzeugt und „gebiert“ jene Klänge, die sich dann mit und trotz ihrer sehr unterschiedlichen Gestalt miteinander verbinden. Es entstehen Silben, Worte und Sätze. Aber gebührt nicht jedem dieser kleinsten „Bausteine“ der Sprache, dieselbe Aufmerksamkeit wie dem Ton in der Musik? „Der Ton macht die Musik“ sagt man. Ist nicht auch Sprache viel mehr, als nur Information und liegt nicht der Sinn oft in den „Zwischentönen“.

Jeder Konsonant bringt andere Aspekte der Begegnung von „Innenwelt“ unseres beseelten Atems mit physischer „Außenwelt“ zur Erscheinung, birgt Energie, Empfindung und Sinn.

Um die schicksalhafte Beziehung von Mensch und Erde geht es auch in allen epischen Dichtungen, in Märchen, Legenden und den großen Gesängen der Mythologien. Der wortgetreuen oder auch freien Erzählung dieser Stoffe wollen wir uns an diesem ersten Wochenende widmen und die Wirksamkeit einer plastischen Artikulation erkunden: für das eigene Körperbewusstsein, für die Schönheit und Ausdruckskraft der Sprache und für mehr Einklang von Mensch und Erde.

Stichworte dieses Workshops: Atemstrom, Artikulation, Klarheit, Körperbewusstsein, Präsenz
Genre: Lesung, Erzählung

12. - 14. November 2021
Wochenende 2 - „Das Geheimnis des Mitnehmens vom Publikum liegt im Vorwärtsschreiten der Silben.“
(Aus der Probenarbeit mit Marie Steiner)

Uns allen bekannt, aber meist vergessen ist die Phase des Spracherwerbs, in der das Silben Sprechen und rhythmisches Wiederholen gleicher Silben die musikalische Überleitung bildet zum Begreifen der Worte - zum eigentlichen Wort - Begriff.
Wie viel mehr sagt z.B. „Wau Wau“, als das schnöde Wort „Hund“. Und wie vieles auf der Welt kann in diesem Moment noch „Wau Wau“ sein!
An diesem Wochenende wollen wir uns dem Geheimnis der Silben zuwenden; dem Paradies ihrer noch nicht Sinn gebundenen Musikalität, ihrer unendlichen Möglichkeit des Schreitens, Schwingens und Strahlens.
Unser Format der Erprobung sei das Vorlesen und/ oder freie Sprechen von Gedichten, deren „Versfüsse“ eben die Silbe sind. Unterschiedlich in Zahl, Maß und Gewicht schreiten sie durch den Raum und schon wird er wiederum zur Zeit. Ein herrliches Spiel!

Stichworte dieses Workshops: Atemweite, Rhythmus, Publikums Kontakt, Präsenz
Genre: Lesung, freier Vortrag

28. - 30. Januar 2022
Wochenende 3 - „Das Wort beim Wort nehmen“

Die erstaunlichsten menschlichen Fähigkeiten erwirbt sich der Mensch in den ersten drei Jahren des Lebens: den aufrechten Gang, das Sprechen und das Denken.
Sprechend und begrifflich denkend bildet sich Selbst - Reflexion und Selbst - Bewusstsein. Sprache ist immer Abbildung des Menschen, der sie spricht. Doch ist sie auch jenseits des Gesprochenen da? Dieses Wochenende ist dem Wort als Schlüssel zum „lebendigen Begriff“ gewidmet, der jenseits des situationsgebundenen Vorstellungsbegriffes imaginativer und inspirativer Quell für die/den SprecherIn werden kann.

Das Wort ist bildhaft und wird es gelesen oder gesprochen, erzeugt es Bilder. Es ist bewegte Plastizität der Lautgebärden und klingende Notation des Silbenspiels. In einer Zeit des Wortbruchs, der Aushöhlung von Sprache und der zunehmend virtuellen „Wirklichkeit“ ist es naheliegend zu erforschen, was unser Sprechen AUTHENTISCH, also selbst in einer performativen Inszenierung, einem Vortrag oder Schauspiel „echt“ macht.
Sich dem Wort selbst anverwandeln bedeutet, Kohärenz von Sinn, Sendung und gefühltem Freiraum zwischen Sender und Empfänger zu ermöglichen.

Das Thema Innenwelt und Außenwelt wiederholt sich nun auf einer höheren Ebene: nur im pulsierenden Zwischenraum der von Menschen gesprochenen und von Menschen ERHÖRTEN Sprache ist Wirklichkeit möglich. Genau dies macht ja jede Bühnensituation so ungemein aufregend: einmalige Wirklichkeitsschöpfung ohne Löschtaste.

Stichworte dieses Workshops: Atemraum, imaginative Prozesse, Gebärde, Authentizität
Genre: Freier Vortrag, Improvisation, szenisches Spiel

4: 13. - 15. Mai 2022
Wochenende 4 - Kreativität : Alles ist möglich wenn nichts mehr muss

An diesem Wochenende wird vor allem gelauscht, gestaunt und gespielt. Was ist das Lieblingsessen eines bestimmten Buchstabens und wie nimmt er es zu sich? Wie erkenne ich das Metrum eines Gedichtes und wie wird es getanzt? Kann man einen Jambus auch häkeln, ein Strickmuster vertonen? Welche Farbe hat eine Erzählung und was wird aus meiner Idee wenn sie sich drei Menschen weiter bewegt? Wie wird Bewegung zum Wort, Wort zum Bild, Bild zum Drama? Die vier Dimensionen der Sprache - Laut, Silbe, Wort, Satz - werden berührt und in ihrer jeweiligen Affinität zu Punkt, Linie, Fläche und Raum interdisziplinär transformiert.

Stichworte dieses Workshops: Atemfreiheit, Nullpunkt, Intuition
Genre: Mensch

„Es soll der Mensch nicht nach einer Wirklichkeit fragen, als wäre er sie nicht.“
Georg Maurer